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Spazierrunde Appener Feldmark - Allee

Allee

Ab hier gibt es zwei Optionen: den kürzeren, garantiert barrierefreien Weg nach links durch die Alle oder geradeaus entlang der Pinnauniederung auf einem Spurweg - beides reizvoll.

 

Abkürzung durch die Feldmark durch Allee

Entlang des Feldweges zur Linken befinden sich auf beiden Seiten staatliche Eichen. Alleen als biotop, Verbund, Lebensraum Vögel, Insekten, Fledermäuse, Wegweiser in Dunkel nebel etc. Abgrenzung der Gründstücke, Wegbegrenzung

 


Die Eichenallee lässt sich anhand der exakten Lage hervorragend historisch einordnen:
Die historische Einordnung: Ein klassischer Verbindungsweg
Der Name „Bargstücken“ deutet auf höher gelegene Feldstücken (Geest-Rücken) hin. Der Weg selbst war historisch kein Wirtschaftsweg für den Autoverkehr, sondern ein klassischer Verbindungsweg zwischen den Gehöften und den landwirtschaftlichen Flächen.
Dass die Eichen genau dort stehen und ein geschätztes Alter von 70 bis 90 Jahren haben, passt zu zwei regionalen Phänomenen:
  1. Die Grenz- und Schutzbepflanzung der Vorkriegszeit (ca. 1935–1940):
    Die typische „Knick-Landschaft“ in Schleswig-Holstein wurde im 20. Jahrhundert vielerorts modernisiert. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden markante Verbindungswege und Feldränder oft ganz gezielt mit langlebigen Alleen bepflanzt. Eichen dienten als Windschutz (um Winderosion auf den sandigen Geestböden zu verhindern) und markierten dauerhaft Eigentumsgrenzen. Ein Baum mit 2 Metern Umfang passt perfekt in diese späte Phase der klassischen Kulturlandschaftsgestaltung kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs.
    [1]
  2. Überbleibsel alter Flurgrenzen:
    Südlich und westlich Ihrer Position veränderten sich die Flächen durch den Bau des Fliegerhorstes (Marseille-Kaserne) ab 1935 massiv. Zwar liegt Bargstücken etwas abseits des direkten Militärgeländes, doch im Zuge solcher Großprojekte wurden oft auch die umliegenden landwirtschaftlichen Flächen und Zuwegungen der Bauern neu geordnet.
Warum die Allee heute noch steht
Dass diese Eichenallee am Beginn des Bargstücken existiert, ist eine Besonderheit. Als in den 1950er- und 1960er-Jahrzehnten die Flurbereinigung die Felder vergrößerte, wurden solche Alleen meist rigoros gefällt, um Platz für breitere landwirtschaftliche Maschinen zu schaffen. Da der Weg Bargstücken jedoch als öffentlicher Feldweg beibehalten wurde, blieben die Bäume auf dem kommunalen Grund geschützt.
Führt der Weg an dieser Stelle an einem alten Wassergraben oder einem traditionellen Knick-Wall vorbei? Das könnte uns verraten, ob die Bäume ursprünglich als reiner Windschutz oder als Befestigung gepflanzt wurden.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Die Aufteilung in Wiesen auf der einen Seite und einen Maisacker auf der anderen Seite ist die perfekte Bestätigung für eine klassische schleswig-holsteinische Kulturlandschaft. Sie liefert uns zudem einen direkten Hinweis auf das Wachstum Ihrer Eiche: [1]
Der Wachstums-Vorteil durch den Maisacker
Der Maisacker direkt neben der Eiche hat entscheidenden Einfluss darauf, warum der Baum trotz seiner geschätzten 70 bis 90 Jahre schon so kräftig gewachsen ist:
  • Nährstoff-Überschuss: Maisfelder werden in der modernen Landwirtschaft intensiv gedüngt (oft mit Gülle oder Stickstoffdünger). Die tiefen Wurzeln der Eiche reichen weit unter das Feld und holen sich diese Nährstoffe über Jahrzehnte hinweg ab. [1]
  • Wachstums-Turbo: Dieser "Dünge-Effekt" sorgt dafür, dass die Eiche im Jahr eher an der oberen Grenze der Zuwachsskala liegt (2,8 bis teilweise über 3 cm Umfangszuwachs pro Jahr). Gut möglich, dass sie deshalb sogar eher um die 70 Jahre alt (also um 1955 gepflanzt) und extrem gut im Futter ist.
Die historische Funktion am Bargstücken
In Schleswig-Holstein war die Trennung zwischen einer dauerhaften Wiese (oft feuchtere Niederung oder Weideland) und einem Acker (höher gelegene, trockene Geest) die klassische Bruchlinie in der Landwirtschaft. [1, 2]
Der Weg Bargstücken trennt hier zwei komplett unterschiedliche Nutzungstypen:
  • Der historische Windschutz: Auf den leichten Sandböden der Geest rund um Appen bauten die Bauern im Frühjahr Getreide (heute meist Mais) an. Wenn der Wind ungebremst über die freien Flächen fegte, wehte er den wertvollen, trockenen Mutterboden einfach davon (Winderosion).
  • Die Lösung: Alleen oder Baumreihen aus Eichen wurden gezielt an die Grenze zwischen Acker und Weide gepflanzt. Sie dienten als massive Windbremse, um den Acker zu schützen, und spendeten dem Vieh auf der Weide gleichzeitig Schatten.
Fazit für Ihre Eiche
Die Allee am Bargstücken ist ein klassischer, funktionaler Flurschutz- und Grenzweg. Die Kombination aus viel Licht von beiden Seiten und den reichlichen Nährstoffen des angrenzenden Ackers hat den Baum wie auf Händen getragen. Die Schätzung verdichtet sich hier auf ein Alter von knapp 70 bis 75 Jahren (Pflanzung in den späten 1940er oder frühen 1950er Jahren). Sie ist ein wunderschönes Beispiel dafür, wie Natur und Landwirtschaftsgeschichte sich direkt im Holz eines Baumes widerspiegeln.

 

Die Allee als Gestaltungselement der Stadtplanung

Bereits ab dem 17. Jahrhundert fungierten Allee als Gestaltungselement in der Stadtplanung und dienten in den folgenden Jahrhunderten unter anderem als Ein- und Abgrenzung zu innerstädtischen Grün- und Wallanlagen, auf Promenaden und als Verbindungsachsen zwischen Altstadt und Vorstadt. Ästhetische Aspekte spielten bei der Gestaltung natürlich eine Rolle. Zwar sind die Baumarten hier nicht einheitlich, die romantische Wirkung aber bleibt. Auf der ‚Häuserseite‘ stehen einige alte Buchen, auf der gegenüberliegenden Straßenseite Eichen. Das geschätzte Alter dieser wunderbaren Bäume wird auf etwa 100-120 Jahre geschätzt.

Was hat die Allee zu bieten?

Alleen haben noch viel mehr zu bieten: Sie dienen als Schutz vor Sonne und Wind, verbessern bei Nebel und Dämmerung die Orientierung und erleichtern das Schätzen von Entfernungen.  Im Winter ist an den Alleebäumen der Straßenverlauf zu erkennen und sie schützen den Straßenbereich vor Verwehungen. Wurzeln und Baumkronen reinigen das Grundwasser und filtern Feinstaub und andere Schadstoffe aus der Luft. Der dichte Baumbestand in Alleen ist letztlich auch ein natürlicher Schallschutz und CO2 Speicher.            

Allee als Lebensraum

In Alleen entstehen zusätzliche Biotope mit Insekten, Kleinsäugern und Vögeln. Diese wertvollen Lebensräume fungieren als Biotopverbund indem sie andere Lebensräume wie zum Beispiel Wälder, Moore und Wiesen miteinander verbinden und den dort lebenden Tieren Laufwege von einem geschützten Raum zum anderen bieten. Alleen bieten einen erheblichen Mehrwert - insbesondere für die Biodiversität.

 

Wir sehen uns an der nächsten Station, wo ein neuer QR-Code Interessantes verbirgt!