NABU ruft wieder zur Wahl des „Vogel des Jahres“ auf!

Die Wahlurnen stehen bereit. Es geht jedoch weniger um politische sondern vielmehr um gefiederte und teilweise gefährdete Zeitgenossen. Alle fünf Kandidaten haben ab heute die Chance „Vogel des Jahres 2024“ zu werden. Zum mittlerweile vierten Mal initiieren NABU sowie der Landesbund für Vogel- und Naturschutz diese Wahl öffentlich. Damit die Wählerschaft weiß, mit wem sie es zu tun hat, nachfolgend eine kurze Vorstellung der Kandidaten.
Früher Allerweltsvogel, heute Sorgenkind – der Kiebitz. Der schwarz-weiße Vogel mit der markanten Kopftolle kommt immer seltener vor. Auch wenn es im Regionalpark 2023 einige, schätzungsweise 10-20 Paare mit Brutversuchen gab, fielen die Bruterfolge erheblich geringer aus. Der sehr standorttreue Vogel suchte in den letzten Jahren immer wieder das Wedeler Autal zum brüten auf. 2023 brüteten hier sogar sechs Kiebitz-Paare, nur leider ohne einen einzigen Bruterfolg. Ein Grund hierfür können Marderhunde sein, die sich seit rund 20 Jahren auch in Norddeutschland ausbreiten. Der Kiebitz wird aufgrund seiner Flugkünste „Gaukler der Lüfte“ genannt. Leider verliert er massiv an Lebensraum. Als Wiesenbrüter braucht er feuchte Wiesen und Weiden, Moore und Sümpfe. Nur werden immer mehr Feuchtgebiete trockengelegt, in Äcker umgewandelt oder intensiv bewirtschaftet.
Leergeräumte Felder, öde Rapsflächen und Maisfelder – wo bleibt da die Vielfalt? Das Rebhuhn (Perdix perdix) ist Bodenbrüter und braucht buschige Feldraine und Blühstreifen. In der ausgeräumten Agrarlandschaft findet es keine Deckung. Wegen des vielen Düngers und der Ackergifte macht sich auch die Nahrung für das Rebhuhn – Insekten – rar. Es fordert darum: „Mehr Vielfalt auf dem Acker!“
Die Rauchschwalbe (Hirundo rustica) gilt als Glücksbotin – ihr selbst ist das Schicksal weniger gewogen. Früher fand sie in Ställen und Scheunen kleiner Bauernhöfe genug Nistmöglichkeiten. Heute sind die Stallungen großer Viehbetriebe häufig verschlossen, Schwalbennester werden bei Sanierungen entfernt und an modernen glatten Innenwänden bleiben sie nicht haften. Auf versiegelten Flächen fehlt der Rauchschwalbe zudem der Baustoff: Lehmpfützen. Sie wünscht sich darum „Matsch statt Asphalt!“.
An Wohnraum mangelt es auch dem Steinkauz (Athene noctua). Er braucht alte Bäume mit Höhlen im Offenland. Die gibt es vor allem auf Streuobstwiesen, die ohne Maschinen und Pestizide gepflegt werden. Hier gibt es auch genug Insekten und kleine Wirbeltiere als Nahrung. Doch leider gibt es immer weniger Streuobstwiesen und damit auch immer weniger Steinkäuze. Darum tritt er zur Wahl an mit „Mehr Wohnraum im Baum!“.
Der Wespenbussard (Pernis apivorus) ist im Deutschen nach seiner Leibspeise benannt: Wespen. Um nicht gestochen zu werden, wenn er Wespennester aufscharrt, ist sein Gefieder besonders dicht und seine Füße sind mit Hornplättchen geschützt. Durch den Insektenschwund und durch den Rückgang von Würmern und Amphibien, die ebenfalls auf seinem Speiseplan stehen, hat es der Wespenbussard schwer. In Deutschland steht er auf der Vorwarnliste der Roten Liste. „Für Insekten, gegen Gift!“ ist sein Wahlslogan.
Und jetzt heißt es – ran an die Wahlurne! Ab sofort ist das virtuelle Wahllokal unter www.vogeldesjahres.de freigeschaltet. Bis zum 5. Oktober, 11 Uhr, kann abgestimmt werden. Noch am selben Tag wird der Sieger bekanntgegeben. Der „Vogel des Jahres“ wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Seit 2021 wird er durch eine öffentliche Wahl bestimmt.